Westbam

Dieser Typ hat so ziemlich jeden Bewusstseinszustand, den man in Verbindung mit elektronischer Musik erreichen kann, mit mindestens einem Song festgenagelt. Die Weltumarmungslaune der Love Parade steckt in „United States Of Love“, die Faust-in-die-Luft-Aggression in „Beatbox Rocker“, das verpeilt und melancholische Driften durch Berliner Nächte in „Götterstraße No. 1“ – und das harte Runterkommen nach der Afterhour am Sonntag wurde nie so erhaben vertont wie in „You Need The Drugs“, das Richard Butler so waidwund schmachtet. Die Pointe beim hier genannten Westbam-Ouevres: Die Musik hätte auch ohne chemisches Beiwerk funktioniert. Weil sie für sich steht und zeigt, dass der DJ, Produzent, Labelbetreiber, Autor und Mayday-Veranstalter sein Handwerk nach solch einer fruchtbaren Karriere besser beherrscht als jeder andere. Und er weiß davon zu erzählen – nicht nur in seinem Buch „Die Macht der Nacht“, sondern vor allem in seinen DJ-Sets, die bei all ihrer Energie immer auch eine Storyline in sich tragen.